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Der Neue Realismus

Eine Rebellion gegen das Dogma der Abstraktion

Die Gruppe ZEBRA, das sind heute Dieter Asmus, Peter Nagel und Dietmar Ullrich. Verbunden durch ein Manifest rebellierten sie schon in der Ausbildung mit einem Neuen Realismus gegen das Dogma der Abstraktion.
Vielfach international ausgestellt und ausgezeichnet, gesammelt auch von Museen, formulieren die „Zebras“ ein bedeutsames künstlerisches Erbe, das in der optischen und inhaltlichen Wucht seinesgleichen sucht.
Das Ausdruckspotential der Dinge und ihrer Umstände voll ausschöpfen, die exemplarische Verewigung des Anblicks, im Kontext auch absurder Inszenierungen, den absoluten Moment erkennen und wiedergeben, dies eint die Gruppe ZEBRA.

"Das Ausdruckspotential der Dinge und ihrer Umstände voll ausschöpfen, die exemplarische Verewigung des Anblicks, im Kontext auch absurder Inszenierungen, den absoluten Moment erkennen und wiedergeben"

Bernd Roloff
Über die Künstler

Weitere Informationen über Gruppe Zebra

Die Gruppe ZEBRA besteht aus drei Mitgliedern: Dieter Asmus, Peter Nagel und Dietmar Ullrich.

Dieter Asmus wurde am 1. 3. 1939 in Hamburg geboren. Als er 1960 sein Studium an der dortigen HfBK begann, war für ihn (und Peter Nagel + Dietmar Ullrich, die dieselbe Grundklasse besuchten) die Abstraktion, mit der sie aufgewachsen waren, bereits Kunstgeschichte, „sie biss nicht mehr“.
Es galt also, die Bildmittel, die die Moderne (besonders Picasso) erarbeitet hatte – im 19. Jahrhundert
hochnotwendig – weiterzuentwickeln, um die Verbindung der Kunst mit der sichtbaren Welt zu erneuern.
Vor allem aber auch, das Ausdruckspotential der Dinge und ihrer Umstände – die 9/10 unseres optischen Welterlebnisses ausmachen – zeitgenössisch-realistisch nutzbar zu machen: Die Geburtsstunde des „Neuen Realismus, die „Formulierung“ der Gegenwart. Logische Folge war die Gründung der Gruppe ZEBRA (1964), sowie die Fixierung der neuen bildnerischen Grundlagen im gleichnamigen Manifest.
Es folgten schnell Wanderausstellungen durch viele europäische Museen (u.a. Deutschland, Italien, Frankreich, Jugoslawien, Serbien, Dänemark). Der Exklusivvertrag der Gruppe mit der Londoner Galerie Fischer Fine Art Ltd. (ehem. Marlborough, Vertretung von Schiele, Klimt, Moore), der eine größere internationale Anbindung ins Auge gefasst hatte, wurde durch den plötzlichen Tod von Harry Fischer gekappt.
Dieter Asmus erhielt zahlreiche Kunstpreise und Stipendien (z.B. das Stipendium der Studienstiftung
des Deutschen Volkes, der Deutschen Industrie sowie Stipendien nach London und Paris). Er ist Mitglied des Deutschen Künstlerbundes und der Freien Akademie der Künste in Hamburg. Arbeiten u.a. im Besitz der Nationalgalerie Berlin, der Albertina Wien, des Busch-Reisinger-Museums Boston, der Hamburger Kunsthalle, der Nationalgalerie Rom, der Sammlung der Bundesrepublik.
Asmus‘ bevorzugte Stilmittel (konträr zu Kandinskys formalem Diktum fürs 20. Jahrhundert) sind: Plastizität, Raum, Beleuchtung, also vollplastische Figuren in „eingefrorener“ Bewegung im idealen Kontrast zu einfarbigen Hintergrundsflächen (Wand, Himmel), fixiert im Raum durch kräftiges Licht und schwarze Schatten. Mit diesem Besteck (und der Hilfe der Schnellschusskamera, die Bewegungen anhält (die unser Auge/Hirn-Apparat wegen zu großer Schnelligkeit nicht wahrnehmen und behalten kann) gelingen ihm die exemplarische „Verewigung“ heutiger Anblicke zu suggestiven Inbildern unserer Zeit.
Hans Platschek: „Sie stellen die Kunst vom Kopf wieder auf die Beine“.
Und Francis Bacon: „You are inventing the realism of the 21. century“.

Peter Nagel

Peter Nagel wurde am 6.4. 1941 in Kiel geboren, studierte von 1960 – 65 an der HFBK Hamburg
und war von 1984 – 2004 Professor für Malerei an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel.
Angeregt durch die alten Meister und die moderne Fotografie begreife ich die Malerei als Denken in Farb – Formen. Die Qualität des „Malerischen“ beschränkt sich für mich nicht auf einen spontan /
expressiven Duktus, sondern wird genauso erreicht durch ein präzises und spannungsreiches Wirkungsgefüge der Farben.
Durch Verfremdung und Reduktion auf einprägsame Bildzeichen wird das naturalistische Abbild zu einer inneren Wirklichkeit verdichtet – ein Realismus, der sich als Kommentar zu unserer Zeit versteht.
Dabei sind die harte, manchmal unterkühlt wirkende Malerei und absurde Inszenierungen Bestandteil dieses Ausdrucks.
Wesentliche Förderung empfing ich durch den Villa Massimo-Preis (Rom 1968/69), das Stipendium des Kulturkreises im BDI sowie den Kieler Kulturpreis 1977.
Ich bin Mitglied des Deutschen Künstler-Bundes und der Freien Akademie, Hamburg.
Von meinen Ausstellungen im In- und Ausland waren 25 Einzelausstellungen und zahlreiche Gruppenausstellungen z. T. mit der Gruppe ZEBRA auf fast allen Kontinenten.
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit ist die architekturbezogene Malerei wie z. B. das 300 qm große Deckengemälde „Klettergerüst“ im BZM Kiel-Mettenhof (1976/77) und der 12 m breite Wandfries „Auf der Brücke“ im Wirtschaftsministerium Schleswig-Holstein (1982).

Dietmar Ullrich

„Die Gründung der „Gruppe Zebra“ 1964 erfolgte aus Protest gegen einen dogmatisch auftretenden abstrakten Expressionismus, der jede Art von Realismus ausschloss.
Ich wollte – ähnlich wie meine Freunde – den Gegenstand wieder ins Bild zurückholen, um genauer
auf eine real erlebte Welt reagieren zu können. Dabei ging es mir letztendlich um die Formulierung einer allgemeingültigen Aussage, vorgetragen anhand alltäglich erscheinender Themen wie z. B. Sportler, Kinder oder Badende, interpretiert mit einer genau kalkulierten, nicht naturalistischen Form, Maltechnik, Farbe und Komposition.
Damit über das vordergründig sichtbare Motiv hinausweisend. („Footballspieler“ 1969, Sammlung Ludwig Aachen, „Zuschauer“ 1973, Ludwig Institut Oberhausen)
Ziel war nie das schöne Bild, sondern eine modellhaft zugespitzte Darstellung meiner Sicht der Welt.
(Einzelfiguren vor leerem Grund oder Einordnung in durchgehende Strukturen, eine sachlich objektiv wirkende Form, die Vermeidung dekorativer Elemente)
Von Anfang an war meine Arbeit als eine schrittweise Annäherung an eine letztgültige Realisierung meiner Aussageabsichten geplant. Ich meine, diesem Ziel weitgehend nahe gekommen zu sein.
(z. B. „Strand-Leben 1“ 1985/86, Ostdeutsche Galerie Regensburg, „Vorhang“ 2003/4, Besitz d. Künstlers)
Die Konzentration auf das Allgemeine vernachlässigt weitgehend das Individuelle, Besondere. Ich hatte daher das Gefühl, in diesem Bereich etwas nachholen zu müssen. So beschäftige ich mich seit einigen Jahren intensiv mit der Betrachtung bzw. Würdigung der „kleinen Dinge“. Auch das vielstimmige Gerede über Kunst, die Masse kunsttheoretischer Erörterungen und die überwältigende Zahl der Kunstausstellungen ließ mich Zuflucht suchen bei den Dingen: Alles ist möglich – die Dinge sind.
Um auf die Besonderheit des jeweiligen Gegenstands genauer eingehen zu können, stelle ich die Motive z. T. reliefartig greifbar heraus, setze die Farbe schichtweise und differenziert ein auf schwarzem Grund und weißer Unterzeichnung, häufig als Lasur, benutze unterschiedliche Strukturen und variiere die Techniken, wenn notwendig. Der Hintergrund bleibt unbehandelt, Komposition gibt es nicht, es geht um die Sache, nicht ums „Bild“. Dem Betrachter steht es frei, Zusammenhänge herzustellen, evtl. Bedeutungen zu sehen, sich einfach dem Anblick zu überlassen oder Folgerungen
zu ziehen.“

„Versucht man heute das Existierende zu malen, ist das ein Akt des Widerstands, der Hoffnung entfacht.“ John Berger, Gegen die Abwertung der Welt
Fischer Taschenbuch

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53 Exponate

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